34 Bolivien - Peru  (17.09.07 - 13.11.07)

     Vom Amazonasgebiet nach Ecuador

 

 


Reisestrecke 5000 Km durch Bolivien und Peru

Reiseroute:
Von Brasilien: Guayaramerin, Riberalta, Yata, Rurre, Yucuma, Coroico, "Jungas", La Paz, Guaqui, Peru,Tapena, Puno, Juliaca, Arequipa, Camana, Panamericana nach Norden, Nazca, Ica, Pisco (Erdbeben) Lima, Trujillo, Piura, Sulana, Talara, Tumbes, Einreise Ecuador.

Einreise nach Brasilien:
Visa nicht erforderlich Benötigt wird folgendes: 6 Monate gültiger Reisepass

Für Moula Moula:
KFZ Versicherung notwendig für:Argentina, Chile, Bolivien, Uruguay Paraguay, Brasilien. (Im Pack erhältlich) 1 Jahr ca. 370.- € (Am günstigsten war die "Liberty Seguros) in jeder größeren Stadt zu finden. Für Peru keine Versicherung notwendig.

KM Stand bei bei Einreise Brasilien: 152.540 Km
KM Stand bei Ausreise Brasilien: 157.590 Km
Gefahrene Km seit Beginn unserer Weltreise: 129.613 Km
Bolivien:
Dieselpreis im Schnitt:
a' Ltr. 3,72 B. 1 Ltr. = 0,41.- €
Benzin /Super:a' Ltr. 4,0 / 4,2 B. 1 Ltr. = 0,44.-/ 0,46.- €

Peru:
Dieselpreis im Schnitt:
1Galone = 3,78 Ltr. a' Gl 10,75.- Sol. 1 Ltr. = 0,69.- € Benzin:1Galone = 3,78 Ltr. a' Gl 11,66.- Sol. 1 Ltr. = 0,73.- €
Super:1Galone = 3,78 Ltr. a' Gl 13,75.- Sol. 1 Ltr. = 0,87.- €

Aufenthaltsdauer:
17.09.07 - 17.10.07 in Bolivien,
18.10.07 - 12.11.07 in Peru

Rückblick Brasilien
Auf einer Strecke von fast 5000 Km durchreisten wir einen Teilbereich dieses riesigen Landes. Weit außerhalb der von Slumgürteln, Elend und Kriminalität umgebenen Metropolen, begegneten wir überaus netten und freundlichen Menschen, einer vielfältigen Kultur und Naturlandschaft. In Guajara-Mirim endete die Asphaltstrasse durch einen Teil Brasiliens, wo der Brandgeruch unser ständiger Begleiter war.

Es war Freitag Nachmittag, Wochenende, es funktionierte nur noch der kleine Grenzverkehr über den mächtigen Grenzfluss des Rio Mamorè (Rio Madeira), einem Nebenfluss des Amazonas.


Grenzfluss Rio Mamorè, auf Brasilianischer Seite

Wir standen an der Grenzabfertigung, doch auf unsere Ausreise auf einer Pontonfähre mussten wir bis Montag warten.

 

Mo. 17.09.07 - Fr. 28.09.07

Einreise Bolivien


Die Holzkapelle, das Wahrzeichen von Cachuela Esperanza

 

Nach unserer Grenzabfertigung in Guayaramerin wechselten wir im Bußterminal die übriggebliebenen Reals und einige Dollars in Bolivianos um. Im gesamten Stadtzentrum ratterte und stank es nach 2-Takt Motoren. Über die Hälfte der Bevölkerung besitzt ein Kleinmotorrad. Autos sieht man selten in diesem Grenzort Guayaramerin, denn in der langen Regenzeit werden sie für Fahrten unbrauchbar.


Als öffentliches Verkehrsmittel werden rund 800 Moto-Taxis angeboten,
der Pauschalpreis für eine Fahrt in der Stadt beträgt 2 Bolivianos (0,22 €).

 


Ein Moto-Fünfsitzer

Missionsdienst Bolivien
An einem kleinen Straßenkaffee erfuhren wir von einem deutschen Missionsdienst. Wir klopften an und wurden von Rudi und Inna Rhein, Andy und Elli Steinhauer sehr herzlich aufgenommen.

Auf einem außerhalb des Ortes liegenden Freizeitgelände, das zur Mission gehört, haben wir einige sehr schöne Tage verbracht. Hoher Besuch war angesagt.

 


Rita und Freddy mit dem Missions - Gründerpaar Wilhelm und Jolanda Biesters

Wilhelm und Jolanda Biester, die Gründer des Missionsdienstes, wurden aus Deutschland erwartet und wir hatten noch die Möglichkeit, sie näher kennen zu lernen.

 


Rita und Jolanda Biesters

Sie waren sehr stolz, ihr über Jahrzehnte aufgebautes Lebenswerk, an Rudi und Inna Rhein offiziell übergeben zu können. Dazu kamen Gäste aus Stuttgart/ Zuffh, Flein, Heilbronn und Fulda. Einen herzlichen Dank, an die ganze Gruppe und dem Team, dass wir in Eurer Mitte und Gemeinschaft eine Woche teilnehmen durften.

Bevor wir weiterreisten, begleitete uns Andy Steinhauer noch zu einer ausgesprochenen und interessanten Tagesfahrt, zum Kautschukbaron.

Wir befanden uns noch in der trockenen Jahreszeit und konnten daher mit Andy, der mit seiner Gemeindearbeit vom "Missionsdienst Bolivien" aus Stuttgart unterstützt wird, eine Fahrt in das geschichtsträchtige Urwaldsdorf Cachuela Esperanza unternehmen. Über eine ausgewaschene Piste und mit einer kleinen Fähre ging's zu der ehemaligen Dschungelmetropole, die Anfang des 19. Jahrhunderts die Schöpfung eines Mannes war, der den Dschungel besiegen und besitzen wollte. Der reichste Mann Amazoniens besaß einen Grundbesitz von der doppelten Fläche der Schweiz.

Es war das Handelsimperium des Kautschukkönigs Nicolas Suarez. Das Teatro "Gral. Pando" und das "Albert Schweizer Krankenhaus" waren zur damaliger Zeit von höchstem Niveau.

 


Das Albert Schweizer Krankenhauses

Heute wird der Ort an vielen stellen wieder vom Urwald zurückerobert, alte Lagerhäuser und Schuppen dienen noch einigen Indianergruppen als Unterkunft. Das Opernhaus wird noch als "Gemeindehaus" benutzt. Das Krankenhaus zerfällt und die ehemalige Dampfanlage für die Stromversorgung rostet vor sich hin.

Zum Wahrzeichen des Ortes wurde eine kleine Holzkapelle, die aus kanadischer Pinie auf einen Felsen gebaut wurde. Unterhalb liegen die Grabstätten der Familie N. Suarez. Ein Besuch beim Bürgermeister, und ein Rundgang durch den Ort, ließ uns den Geist von Nicolas Suarez erahnen, der noch immer die Atmosphäre des kleinen Urwalddorfes beherrschte. Seine Büste steht im Zentrum vor der Flusskulisse des Rio Beni mit seinen gefährlichen Stromschnellen. Am späten Abend kehrten wir zur Mission zurück.

Eine staubige Pistenfahrt bis ins Hochland der Anden stand uns nun bevor. Seit 3 Tagen versuchten wir schon im Ort Diesel aufzutreiben, aber es gab keinen. Unser Tankinhalt reichte höchstens noch die 120 Km nach Riberalta und dort war der Diesel ebenfalls rationiert, den Grund konnte uns niemand sagen. Dank Wilhelm Biester's Kontakte, war für uns bei der Ankunft an einer "Leeren" Tankstelle in Riberalta, ein Fass mit über 100 Liter Kraftstoff vorreserviert. Danke lieber Wilhelm!

Diesel vom Fass, funktioniert eigentlich ganz simpel. 3 Jungs rollen das 100 Liter Fass mit Hilfe einer Bohle auf einen Pritschenwagen und fahren an das zu tankende Fahrzeug. Mit einem dicken Gartenschlauch wird "ozapft", indem einer kräftig ansaugt, bis ihm der Diesel aus den Mundwinkeln läuft, verschluckt? kurzes Abhusten, schlauch in den Tank und abwarten. In kürzester Zeit hat der erzeugte Unterdruck das Fass leergesaugt.

 


Ozapft is

 

Sa. 29.09.07 - Do. 04.10.07

Riberalta

Das 80.000 Einwohner zählende Zentrum im bolivianischen Amazonasgebiet, ein heiterer und gelassener Ort, in dem wir einige Tage verbrachten. Die ersten Besucher waren sicherlich ebenso beeindruckt wie wir, von der hohen Uferböschung während der Trockenzeit und nannten diesen Platz in Spanisch: Ribera Alta = hohes Ufer.

Im Ort selbst gibt es einfache Hotels, Restaurants, Straßen-Garküchen und viele Geschäfte mit Schmugglerwaren aus dem nahen Brasilien. Wir recherchierten, um eine kleine Reportage bei den Nussknackern im bolivianischen Amazonasgebiet drehen zu können.

Die Paranuss bietet um Riberalta eine wichtige Einnahmequelle, sie wird auch Amazonasmandel oder Amazonasnuss genannt und ist der dreikantige, dick- und hartschalige Samen des Paranussbaumes.

 


Am Rio Beni werden Paranüsse in Säcken über das hohe Ufer gebracht

Eine heiße, schwüle Luft lag am frühen Morgen über dem breiten Rio Beni. Holzboote, mit Säcken beladen landeten an und wurden gleich entladen. Wir schauten den Sackträgern zu, wie sie Kokablätter kauend, mit dicken Backen das hohe Ufer erreichten.

 


Eine mit Kokablätter gefüllte Backe

Gleich hinter der Uferböschung stand eine große Fabrikhalle, in der die antransportierten Amazonasmandeln verarbeitet wurden. Ich betrat das klimatisierte Office, stellte uns vor und bat um ein Gespräch mit dem jefe. Eine Treppe höher und ich stand vor Harold Claure Bezerra, der Inhaber der Fa. HCL Organic Product. Gleich erzählte er mir von Hamburg, dort war er kürzlich, um seine Kontakte, wie er sie nannte, zu pflegen, denn über 80 % seiner Produkte gehen nach Deutschland. Er war auch sofort mit einer Reportage einverstanden und betonte gleich, dass es in seinem Hause keine Kinderarbeit gäbe.

Harold hat die Firma von seinem Vater vor einigen Jahren übernommen. Beim ersten Foto Rundgang erklärte und zeigte er uns die einzelnen Stationen die die Amazonasnuss durchläuft.

 


Die Kapselfrucht und die Nüsse

Die ausgereifte Frucht, die einer Kokosnuss ähnelt und von einer harten Schale umgeben ist, wiegt ca. 1 bis 3 kg und enthält jeweils 20 bis 40 Nüsse. Die Kultivierung von Paranussbäumen ist bisher noch nicht gelungen, deshalb stammen die Kapselfrüchte ausschließlich aus Wildsammlungen. (Auf den Verpackungen findet sich manchmal ein irreführender Hinweis: "aus kontrolliert biologischem Anbau".) Sie sind Früchte wild gewachsener Urwaldbäume!

Sobald die Früchte gereift sind, ziehen die einheimischen Sammler (castañeros) aus, um sie vom Boden des Regenwaldes aufzusammeln. Sie spalten die Früchte und trocknen die Samen an der Sonne.

Mitglieder der Kooperative kommen direkt in die Dörfer, wiegen die Ernten vor Ort und bringen die Ware dann, häufig per Boot, zur Verarbeitungsanlage nach Riberalta. Die Tage waren sehr schwül und heiß, deshalb begann die erste Schicht schon um 4 Uhr morgens. Wir nächtigten direkt vor dem Firmengelände und so konnte ich gleich die erste Schicht mit der Kamera begleiten.

 


Im Großen "Saal"

 


Frauen beim Nüsseknacken

Mit Wasserdampf wurde zunächst in großen Trommeln die maschinelle Reinigung der Nüsse vorgenommen.

In einem großen Saal knackten dann überwiegend flinke Frauenhände - bei südamerikanischer Musik und lebhafter Unterhaltung - die Nüsse mit einem manuell betriebenen Spindelnussknacker, im Schnitt pro Arbeitsplatz 60 bis 80 kg am Tag.

Nach der anschließenden, schonenden Heißlufttrocknung erfolgte die endgültige Sortierung und Vakuum Verpackung in 20 Kg Kartons mit der Aufschrift: Save the Amazon Forest, Consume shelled Bolivian, Brazil Nuts. In Deutschland kann man ihr dann kaum wiederstehen, wenn sie auf dem weihnachtlichen Gabentisch in einer Schale angeboten wird, oder als Mandelsplitter auf einer leckeren Torte zu finden ist.

 


Die ausgepulten Amazonasmandeln

Nach zwei Tagen schweißtreibender Foto- und Videoaufnahmen sind wir wieder unterwegs. Für uns sind die Zustände der Amazonaspisten längst alltägliche "Körpermassage" und in der Trockenzeit beileibe nicht das große Abenteuer, von dem oft berichtet wird.

 


Pistenfahrt nach La Paz

Aber in der Regenzeit, wenn die Weichsandfurten metertief durchgeweicht sind, werden die rotbraunen Lehmpisten erst wirklich abenteuerlich, wie wir es während der Regenzeit in Afrika (Kamerun) erlebten.

Soweit kam es aber nicht, noch herrschte eine heiße Trockenzeit und wir zogen manchmal eine über hundert Meter lange aufgewirbelte Staubwolke hinter uns her. Zu weiten Teilen, entlang unserer Piste, verschwand zunehmend der Wald und gab großräumige Weideflächen für eine extensive Viehzucht frei. Aus den Weiden erhoben sich zum Teil abgebrannte Baumstümpfe und Termitenhügel.

Wir hatten noch keine 50 Km Pistenstrecke hinter uns, dann war Schluss. Jetzt wussten wir auch, warum es in Riberalta keinen Treibstoff gab. Vor einer kleinen Brücke, wurde wie so oft in Bolivien, eine Blockade aus einigen Baumstämmen errichtet. Es ging wieder um die neue Landreform. Teile von Ländereien der wohlhabenden Großgrundbesitzer sollten verstaatlicht und an arme Landbewohner verteilt werden. Ein nicht enden wollender Konflikt zwischen Tief- und Hochland (arm und reich) scheint wieder auszubrechen. Schon vor einem Jahr kamen wir wegen dem selben Grund in eine Straßenblockade, damals wurde uns mit einer gezündeten Dynamitstage die Weiterfahrt verweigert. Heute stand eine kurze Öffnung der Sperre bevor. Zwei Stunden später konnten wir wieder die Schüttelpiste unter die Räder nehmen. Nach weiteren 2 Tagen waren die 600 Km von der brasilianischen Grenze nach Rurrenabaque, kurz Rurre genannt geschafft.

 

Fr.05.10.07 - Mi. 10.10.07

Bei "Gringo" Jorge Steiger

Ein idealer Ausgangspunkt für Dschungeltouren ist die Region um Rurre. Hier treffen die östlichen tropischen Anden und das Amazonas Tiefland aufeinander. Seit Tagen war es drückend heiß und die Nächte brachten mit 28 Grad auch nicht die gewünschte Abkühlung. Nachdem wir uns in einem "Supermarkt" wieder mit dem nötigsten versorgten, wollten wir heute noch einige Kilometer in das kühlere Hochland weiterfahren, doch dazu kam es nicht mehr. Kaum waren wir auf der Ausfahrtstrasse aus Rurre, leuchtete die Batterie Warnanzeige auf. Wir blieben am Rande der Strasse stehen und überlegten was das wohl sein könnte. Entweder hatten wir ein loses Kabel in der Batterieanlage oder die Lichtmaschine hatte einen defekt.

 


Ein Schweizer Gringo von ganz besonderer Art

Kaum ausgedacht hielt ein Fahrzeug neben uns an und auf schwitzerdeutsch wurde ich angesprochen: "Ich bin Jorge aus der Schweiz, woher kommt ihr, kann ich euch behilflich sein, braucht ihr einen sicheren Übernachtungsplatz, dann folgt mir". Dieses Angebot war nicht auszuschlagen.

Über einen steilen Anfahrtsweg gelangten wir auf eine wunderschöne Anhöhe mit Blick über den Ort. "Fühlt euch wie zuhause", das waren Jorges erste Worte, als wir sein klimatisiertes Haus betraten. Auch Simba konnte sich nach langer Zeit auf den kühlen Fliesen von den heißen Tagen erholen.

 


"Plaza del Gringo" von Jorge Steiger

 


Wir fühlten uns bei Jorge wie zu Hause

Der "Schweizer Gringo" erzählte uns seine interessante Lebensgeschichte. Als Straßenbau- Ingenieur spezialisierte er sich für den extremen Brücken - und Straßenbau. Weltweite Projekteinsätze verschlugen ihn letztendlich nach Bolivien und er "strandete" vor über 20 Jahren in Rurrenabaque.

Einen ganzen Berghügel kann er sein eigen nennen und baute schon einige Häuser darauf. Ein Kuriosum, sein Wasserturm ähnliches Wohnhaus, am höchsten Punkt des Berges, es stand kurz vor der Vollendung und Jorge bereitete gerade seinen kleinen Umzug vor.

 


Neu gebaut, Jorges außergewöhnliches Haus über dem Ort von Rurre...

Der einflussreiche Schweizer pflegt seine Kontakte bis in die obersten Kreise und erzählte uns viel von Land und Leuten. Bolivien ist ein gespaltetes Land, Streiks, Straßenblockaden, und gewaltsame Auseinadersetzungen zwischen Indios und parteipolitischen Gruppierungen sind an der Tagesordnung. Wollte man gegen die Korruption vorgehen, müsste man fast alle Beamte und die Hälfte der Bevölkerung verhaften, meinte Jorge.

Nach so vielen Gesprächen war es dann an der Zeit, der Warnanzeige in unserem Fahrzeug nachzugehen. Die Spannungsmessung an der Lichtmaschine und Überprüfung der Kohlekontakte ergab ein eindeutiges Resultat: Wicklung durchgebrannt. Jorge wusste sofort Rat, telefonierte mit einer kleinen Elektronik Werkstätte und ich hatte am nächsten Tag für 28.- Euro eine neue, von Hand gewickelte Lichtmaschine. Mittlerweile hat sie ohne Beanstandung 12.000 Km hinter sich.

 


Neuwicklung unserer Lichtmaschine in einer elektronischen Werkstätte

Fünf Tage blieben wir bei Jorge und konnten uns bei ihm super regenerieren. Danke lieber Jorge, wir haben uns bei dir sehr wohl gefühlt.

Unglaublich, wie doch die Zeit verging. Es war schon Oktober und es wird nicht mehr viele Tage geben, bis die Sonne immer öfter hinter den dunklen Regenwolken verschwindet und der Staub der Piste sich endgültig in Schlamm verwandelt. Die Strasse nach Riberalta wird dann fast ein halbes Jahr unpassierbar bleiben.

 

Do. 11.10.07 - Do. 18.10.07

Nach einer Tagesfahrt erreichten wir Caranavi, hier begann, oder endete, je nach Fahrtrichtung, die legendäre
Strasse des Todes oder "El Camino de la Muerte" , wie die Einheimischen die berühmt-berüchtigte Verbindungsstrecke zwischen der bolivianischen Metropole La Paz und dem Amazonas Tiefland nennen. Sie gelangte in einen zweifelhaften Ruf und wurde von der "Inter-American Development Bank zur "Most dangerous Road in the World " (gefährlichste Strasse der Welt) gekürt". Die Todesstrasse wurde 1932-35 während des Krieges mit Paraguay, von Gefangenen regelrecht in die Felswand der abfallenden Kordillere getrieben. Die Straßenführung ist spektakulär, kurvig, und ohne Leitplanken äußerst gefährlich, sie windet sich 64 Kilometer weit, mit einem Höhenunterschied von über 3500 Meter, in das Tiefland. Rein statistisch gesehen, verunglücken jede Woche zwei Mensch tödlich, auf diesem Streckenabschnitt in die feuchtheißen Yungas.

Auf dem Grund der bis zu 800m tiefen Schluchten liegen so manche Autowracks und deren Insassen. Eine Bergung aus der unzugänglichen Schlucht ist so gut wie ausgeschlossen. Die vielen aufgestellten Kreuze, entlang der gefährlichsten Strasse der Welt, sind stumme Zeugen der letzten Reise.

Zum schwersten Unfall Boliviens zählte auf der "Todesstrecke" die Fehleinschätzung eines Busfahrers, der 1983 mit über 100 Passagieren in eine 800m tiefe Schlucht stürzte.

Dieses tragische Ereignis veranlasste die Regierung, auf diesem Streckenabschnitt Linksverkehr anzuordnen. Die einzige Strasse Südamerikas, auf der links gefahren wird. Für die Fahrer der schwer beladenen LKW's, die von Caranavi, also von unten kamen, war es äußerst schwierig die rechte Abbruchkante als solche zu erkennen.

Durch den Linksverkehr fahren sie nun auf der Innenseite. Der abwärtsfahrende Lenker fährt bei Gegenverkehr mit purem Adrenalin und grandioser "Sicht" an der schutzlosen Aussenkante entlang.

Vom Tiefland kommend hatten wir ebenfalls den Vorteil, auf der Innenseite der zeitweise verschlammten und glitschigen, kaum breiter als unser Fahrzeug bestehenden Sandsteinpiste zu fahren.

 


Der untere Streckenabschnitt des Camino de la Muerte. (Todesstrecke)

Es gab zwar Ausweichstellen, aber bei Gegenverkehr trennte an manchen Stellen das abwärtsfahrende Fahrzeug nur noch eine Handbreite vor dem senkrechten Fall. Diesen spektakulären Streckenabschnitt konnten wir von Caranavi bis Coroico, etwa 45 Km bergwärts "genießen", dann endete der Nervenkitzel und die geschriebenen Worte über den weiteren oberen Verlauf von "El Camino de la Muerte" haben nur noch Geschichte.

 

Seit einiger Zeit besteht eine über 40 Km lange und breite Asphaltstrasse, sie entschärft somit den gefährlichsten Teil der Todesstrecke. Wer möchte, kann sie heute aber immer noch freiwillig befahren.

Wir zogen es vor, auf der breiteren Serpentinenstrecke die Yungas zu überwinden. Einige Kilometer vor dem Scheitelpunkt La Cumbre nächtigten wir an einer kleinen Tankstelle, in einer erträglichen Höhe von 3200m, um am nächsten Tag nach La Paz weiterzufahren.

Der nächste morgen, am bolivianischen Altiplano, war kalt und neblig. Heraufziehende Wolken aus dem Amazonastiefland brachten einen feinen Nieselregen mit sich, der sich an den steilen Hängen niederließ.

Die neue Asphaltstraße führte uns durch ein Hochland und überschritt dann die Passhöhe von 4700Meter. Nach weiteren 20 Km waren die Vororte von La Paz erreicht.

 


Eine leckere Bolivianische Strassen Garküche auf dem Weg nach La Paz

La Paz, liegt in einer gewaltigen Talsenke, deren bräunlich gefärbten Ränder steil abfallen. Die Stadt, mit seinen ca. 1,5 Mill Einwohner, erstreckt sich über 1000 Höhenmeter von den Lehm- und Wellblechhütten der Indios im oberen El Alto, bis zu dem Villenviertel der Reichen im äußersten Süden.

 


La Paz, eine Millionen Metropole in einem tiefen Talkessel auf 3600 Meter Höhe

Verglichen mit anderen Großstädten hat sie eigentlich Kleinstadtcharakter, abgesehen vom Verkehr auf der Hauptverkehrsader von Nord nach Süd.

Wir orientierten uns talwärts in den Stadtteil Mallasa, um die, unter Schweizer Leitung geführte Hotelanlage Oberland, anzusteuern. Das Hotel selbst verfügte über ein gutes Restaurant, und Gästebetten. Wer möchte, kann sich für einige Tage, zu einem Vorzugspreis einquartieren. Wir hatten eine Dusche, an einer kleinen heruntergekommene Schwimmhalle und einen Internetzugang.

Der verdreckte und staubige Stellplatz war zwar nicht der große Hit, und mit 3.- USD p.P zuzügl. 2.- USD für den Stromanschluss nicht gerade billig, aber in dieser Region stand die Sicherheit im Vordergrund.

 


"Campsite" Hotel Oberland im südlichen Stadtteil Mallasa

Eigentlich wollten wir länger in der Campsite der Hotelanlage Oberland bleiben um uns wieder nach dem Amazonas Tiefland an die Höhenluft zu gewöhnen. Auf dem Platz waren wir aber nicht alleine, wir teilten ihn mit einem abartigen, dämlichen, spukenden und tretende Alpaka, das frei herumlief und uns, und vor allem Simba ständig attackierte. Nach meiner Beschwerde bei Walter, dem Hotelbesitzer, hieß es nur: " Ihr müsst euch schon arrangieren, das Tierchen bleibt weiterhin frei!"

Aber wir blieben nicht, kurzfristig reisten wir am dritten Tag wieder ab. Die Hotelanlage Oberland, eine nicht empfehlenswerte Adresse für Camper.

 

Aber wir blieben nicht, kurzfristig reisten wir am dritten Tag wieder ab. Die Hotelanlage Oberland, eine nicht empfehlenswerte Adresse für Camper.

 

Fr. 19.10.07 - Mi. 24.10.07

Über die Grenze nach Peru

Bevor wir die geplante Weiterfahrt ins bolivianische Hochland antraten brauchten wir Diesel. An fast allen Tankstellen um La Paz war nur rationierter Treibstoff zu bekommen. Mehr als 50 Liter gab es kaum an einer Tanke. Um Vollzutanken müsste ich 12 Zapfsäulen anfahren, dazu hatte ich keine Lust, wir suchten weiter.

Entlang der Hauptstraße in Richtung Alto, hatten wir dann an einer neuen Service Station mehr Glück. Mit freundlichen Worten und 630 Liter mehr im Tank verließen wir den tiefen Talkessel von La Paz. Das wird uns durch das teuere Peru reichen, und Tanken können wir dann wieder in Ecuador zu sagenhaften 0,17 Eurocent pro Liter.

 


Die Iglesia in Laja

Im Indio Vorort El Alto erledigten wir noch den fälligen Motor-Ölwechsel. (22 Ltr. Shell Öl 15-40W für umgerechnet 52.- €.), da gab's nichts zu meckern. Auf der Hauptverbindungsstrecke nach Peru sind uns die vielen neuen Tankstellen aufgefallen. Obwohl es kaum Sprit gab und der Verkehr sich in Grenzen hielt, stieg die Anzahl dieser Anlagen.

Manche waren schon wieder Bauruinen und durch die Tankanlage ist noch nie ein Tropfen Treibstoff durchgelaufen, aber die Bücher zeigen "Umsätze". Wer schreibt der bleibt. Es sind "Geld-Waschanlagen", denn mit Kokain lässt sich hier wesentlich einfacher und vor allem mehr Geld verdienen als mit den Ölmultis.

An einer dieser bewachten Tankstellen konnten wir übernachten. Vor uns im Abendrot der schneebedeckte 6800 m Hohe Illimani, Hausberg von La Paz und der 6200m hohe Vulkan Potosi mit dem höchsten Skigebiet der Welt.

 


Neugierig und doch distanziert

Nach einer sehr ruhigen und kalten Nacht verließen wir an dem Grenzort Tapena das wunderschöne Land Bolivien das wir insgesamt fast zweieinhalb Monate bereisten.

Die Grenzformalitäten in Peru waren schnell erledigt und die Reise konnten wir fortsetzen, aber weit sind wir nicht gekommen, es gab bei uns erhebliche Höhenprobleme. Als erster war Simba dran und hat mächtig gekotzt, Rita plagten starke Kopfschmerzen und ich fühlte mich auch nicht wohl. Offensichtlich war der Anstieg vom Tiefland doch zu schnell und der Aufenthalt in La Paz zu kurz um uns zu akklimatisieren. Für heute hatten wir die Weiterfahrt am Titicacasee (3810 Meter hoch) unterbrochen.

Sollte sich unsere "Höhenkrankheit" verschlechtern, gab es zwei Möglichkeiten um weiter nach unten zu kommen. Entweder wir fahren Morgen zurück nach La Paz, oder wir überqueren die 4500 Meter hohen Passstrasse nach Arequipa um dann zum Pazifik abwärts zu fahren. Die Nacht war alles andere als Easy.

Neben der starken Atemnot kam es bei Rita wegen der gestörten Sauerstoffaufnahme noch zu blauen Lippen und einem erhöhten Augendruck. Wir entschlossen uns, so schnell wie möglich über die Hochebene nach Arequipa zu kommen.

In der Morgendämmerung startete ich, wollte wegfahren, beim ersten Betätigen des Bremspedals zischte es unter meiner Vorderachse. Der rechte vordere Bremszylinder war defekt und hat die aufgebaute Druckluft verloren. Mit nur drei bremsenden Räder und permanentem Luftverlust war es nicht ratsam, über die steilen Wegstrecken von Peru zu fahren. Ich fand eine Volvo LKW Werkstätte in der mir geholfen werden konnte. Zwar gab es keine Ersatzteile aber dafür eine gute Idee.

Mit einem rostigen Nagel, den ein "Monteur" aus einer Holzpalette gezogen und mit Papier umwickelt hatte, haben sie die Luftdruck- Zuleitung an einer Schraubverbindung vor dem Bremszylinder verstopft. Diese "Reparatur" und vor allem diese Idee war mir die 10.- US Dollar wert. Mit drei Bremsen und einer intakten Luftdruckanlage konnte es weitergehen. Je näher wir nach Yuliaca kamen, desto intensiver wurden die Polizeikontrollen.

 


Beginn von Strassenblockaden

Auf der Hauptstrasse vor der Stadt blockierten Steine und Erdwälle die Fahrbahn. Im Ort selbst versammelte sich eine große Menschenmenge zu einem Protestmarsch. Nicht auszudenken, wenn die johlenden und aufgebrachten Menschen ihrer aufgestauten Wut freien Lauf gelassen hätten. Uns ging es immer schlechter und hofften, heute noch unter 3000m zu kommen. Über unglaubliche, löchrige Seitenstrassen konnte ich dieser Blockade aus dem Wege fahren. Nach 460 anstrengenden Kilometer hatten wir es geschafft und sahen spät in der Nacht in einem weiten Tal die Lichter von Arequipe. Unser Höhenmeter zeigte 2678 Meter an als wir in einen Seitenweg für unseren Nachtplatz einbogen.

 


Arequipa, die weiße Stadt

Erstaunlich wie wir uns über Nacht fast wieder regenerierten. Gut ausgeschlafen konnten wir am nächsten Morgen unsere Reise auf der Panamericana in Richtung Norden weiter in Angriff nehmen. Über Camana und Ica erreichten wir Pisco, wo wir vor einem Jahr schon einmal waren. Was wir jetzt aber sahen, konnten wir kaum glauben.

Pisco wie es war, gab es nicht mehr!
Die Kleinstadt, die viele Peru-Reisende wegen ihrer Sehenswürdigkeiten besuchten, existierte nicht mehr. 70% der Häuser waren total zerstört und die anderen fast nicht mehr bewohnbar. Wir kannten den Ort, die freundlichen Menschen und das angenehme Klima in dieser Region von unserem ersten Besuch in Peru und waren von diesem schrecklichen Ereignis sehr betroffen. Als wir die Nachricht von diesem Erdbeben um Pisco im Internet erfuhren, befanden wir uns noch im brasilianischen Pantanal.

 

Do. 25.10.07 - So. 28.10.07

2 Monate nach dem katastrophalen Erdbeben, waren wir nun in der Stadt, oder anders gesagt, was noch übrig blieb. Die Menschen kamen auf uns zu, sie mussten einfach über die verheerende Naturkatastrophe berichten.

Das Inferno kam plötzlich und völlig überraschend, erzählten sie uns. Am Mittwoch den 15.8.08. blieben die Uhren um 18.41 Ortszeit in Pisco stehen. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit und während der Hauptverkehrzeit ließen heftige Erdstöße die 60.000 Einwohner zählende Kleinstadt erzittern. Wer noch konnte, lief ins Freie, die anderen wurden von den Trümmern der zerberstenden Stadt erschlagen und begraben.

Nur einige Minuten dauerte die Apokalypse, dann legte sich Schweigen über die Ruinen der Häuser, Kulturstätten und Kirchen der Stadt Pisco.

 


Die zerstörte Stadt Pisco

Über tausend Menschen fanden den Tod, 2500 wurden zum Teil schwer verletzt aus den Trümmern geborgen, wer Glück hatte war unter den 30.000 Obdachlosen die all ihren Besitz verloren, so wie Raul und Paolo.

 


Ihnen ist nichts mehr geblieben... v.l. Raul und Paolo,

Sie sitzen auf einer zerfetzten Couch, vor dem leeren Gelände, wo vor zwei Monaten noch ihre Häuser standen. Sie löffelten eine Kartoffelsuppe die eine kleine Garküche am Straßenrand verteilte. Raul sagte mir unter Tränen, das Erdbeben habe sein Leben zerstört. Ich kam gerade von der Arbeit nach Hause, zu meinen Kinder, meiner Frau, dann bewegte sich die Erde und hat mir alles genommen.

Geblieben ist mir mein Leben, meine Kleider die ich am Leibe trage und mein Nachbar Paolo, der ebenfalls seine komplette Familie verlor. Mit stockender Stimme fügte er noch hinzu: "Wir müssen neu beginnen, mit nichts!".

Wir trafen Carmen, Shari und Nilda, drei Frauen die anpacken konnten. Sie freuten sich über unseren Besuch und um unsere Teilnahme an ihrem Schicksal. Sie führten und begleiteten mich 2 Tage mit der Kamera durch besonders betroffene Ortsteile und sie brachten uns mit Menschen zusammen, deren Schicksale besonders tragisch waren.

 


70 % der Stadt Pisco wurden am 15.08.07 zerstört

Unter Tränen und teilweise noch völlig geschockt und traumatisiert erzählte mir eine Mutter vor der Kamera ihre Erlebnisse...

"Verzweifelt grub ich mit den bloßen Händen zwischen den Trümmern nach meinen 8 verschütteten Kindern und meinem Mann. Ich habe sie alle gefunden...Tod, erschlagen von den Mauern unseres Hauses. Geblieben ist mir meine jüngste Tochter die mit mir während der Katastrophe auf der Strasse war.

 


Die jüngste Tochter "hilft" bei Aufräumungsarbeiten
ihres elterlichen Hauses, in dem Papa und ihre Geschwister starben.

Wir suchten weiter, nach Familienangehörige, nach Freunde und Nachbarn. Kinder mussten zum Teil mit ansehen, wie die Leichen ihrer zerdrückten Eltern aus dem Chaos geborgen wurden". Eine Frau berichtete uns zitternd vom Einsturz der Kirche, währen eines Gottesdienstes mit etwa 300 Personen, die Menschen wurden unter den Trümmern begraben, 50 konnten nur noch Tod geborgen werden.

Wir gingen mit dem Direktor und einer Lehrerschaft über das zerstörte Schulgelände. Sie erzählten von einem eingestürzten Gebäudeteil der Schule, in dem ein Abendkurs stattfand, dabei fanden 28 Schüler den Tod. Mit den Schreckensbildern vor den Augen fand nach 6 Wochen der Schulunterricht wieder teilweise im Freien statt. Hinter manchen Schreibtischen standen unbesetzte Stühle, in einer Klasse waren von 32 Schüler nur noch 8 anwesend.

Am Vormittag trafen sich die Mädchenklassen und am Nachmittag die Jungs. Im Bild-Hintergrund steht noch ein Teilbereich des eingestürzten Schulgebäudes das nicht mehr betreten werden kann.

 


Schulunterricht im Freien

 


Tolle Mädels v.l.n.r. Shari, Carmen, Rita y Nilda

Durch Carmens resolutes Auftreten beim Chefarzt, bekam ich die Erlaubnis, im provisorisch errichteten Krankenhaus Videoaufnahmen zu machen.

Eine traurige Begegnung hatte ich an einem Kinderbettchen. Da Stand eine Junge Mutter vor mir, weinte um ihr röchelndes Kind, sie wartete schon 2 Tage auf ein wichtiges asthmatisches Medikament, obwohl es vorhanden war, bekam sie es nicht. Sie war mittellos und konnte es nicht bezahlen. Unmissverständlich gab ich meinen Unmut einem Arzt zu verstehen, der mir aber nur achselzuckend erklärte, wo ich das Medikament bekommen konnte. Mit der Jungen Mutter und Carmen ging ich an die Medikamentenausgabe, zeigte den vom Arzt ausgestellten Arzneischein, bezahlte 28.- Soles das waren 7.- Euro ???? und nach 20 Minuten bekam das Kind die notwendige Injektion.

Schweren Herzens trennten wir uns von den drei Mädels, deren Ausstrahlung und Lebensmut sicherlich einigen Menschen neue Hoffnung gibt, im trauernden Pisco.

 

Mo. 29.10.07 - Mo. 12.11.07

Mit unvergesslichen Bildern und nachdenklichen Eindrücken fuhren wir auf der Panamericana Nordwärts, wo anfangs die Abenteuerroute Südamerikas, noch von langen Rissen durchzogen war. Ein schwarzes Asphaltband zog sich entlang einer langen Küstenwüste, ein einsamer Streckenabschnitt lag vor uns. Zur Linken der raue Pazifik, zur Rechten eine karge Eintönigkeit aus Fels und Gestein. Übernachtungsplätze waren schwer zu finden.

 


Entlang der Pazifikküste auf der Panamericana

An einem frühen Morgen, als die vom Meer kommenden Nebelschwaden ins Landesinnere zogen, erzeugten sie eine eigenartige Stimmung, als die heiße Sonne sie auflöste. Am steil abfallenden Küstenbereich standen einige Säulenkakteen, dazwischen blaue Bodenblumen, denen die Nebelbänke genügend Feuchtigkeit brachten, um existieren zu können. Regen gibt es nicht.

Entlang der längsten Strasse der Welt, oft in Sichtweite voneinander entfernt, unzählige Kreuze. Die meisten sehr einfach und schlicht, namenlos, manche bunt mit Kunststoffblumen und mit farbigen Tüchern geschmückt. Es sind Mahnmale und zugleich Gedenkstätten an die verunglückten dieser Strasse.

Noch bewegten wir uns auf der "Panamericana Sur", weil sie südlich von Lima verlief. Nördlich der Hauptstadt Perus wird sie zur "Panamericana Norte". In der ferne sahen wir ein unüberschaubares Häusermeer, Geruchswolken zogen von den Industrieanlagen und Fischfabriken zu uns herüber, armselige Hütten begannen links und rechts der Panam zu wuchern.

Wir sind froh darüber, dass die Hauptroute etwa 20 Km östlich, der fast 8 Millionen Einwohner zählenden Lima Metropolitana verläuft und lassen sie "links liegen", wir sind auf der "Panamericana Norte". Von nun an hatten wir einen Begleiter mehr auf unserer Wegstrecke, Müll, Müll, Müll. Dies ist die Panamericana - die Traumstraße der Welt. Wer hat sich diesen Namen nur ausgedacht?

Auf der gesamten Strecke gab es weder Parkplätze noch Haltebuchten wie wir sie kennen, man bleibt nach belieben irgendwo stehen und erledigt im Schutze des Fahrzeuges seine Hinterlassenschaften.

Vor allem Hunderttausende von Plastikflaschen aller Art, Cola-, Saft-, Wasser- ,Bierflaschen, gefüllte Pempers und Plastiktüten, Reifen, Autowracks Dreck und Müll. Mit der Naturverbundenheit der Menschen scheint es hier nicht sonderlich weit her zu sein. Ein endloses Band von Abfall unserer Wegwerf-Kultur wird nicht nur hier, sondern in der gesamten dritten Welt ein großes ernstzunehmendes Problem werden.


Transportbegegnung auf der Panamericana (Maisblätter für "Strohdächer")

Die Panamericana ist ein kurzes Stück 4-spurig angelegt, ein großes weißes Schild erscheint, darauf stand "peaje", also bezahlen. Die gesamte Strecke durch Peru kostete uns 51.- €. Für hiesige Verhältnisse ein teueres Vergnügen. Am heutigen Ende unserer Tagesetappe steuerten wir kurz vor einer Stadt unseren Nachtplatz an einer Tankstelle an. Ein nebliger trister Morgen begann, wie so viele in dieser Jahreszeit am Pazifik. Wir fuhren durch eine eintönige, entsetzliche und trostlose gelb-braune Wüstenlandschaft, die manchmal von extrem grün wirkenden Tälern durchzogen war.

 


Wüstenoase

Dazwischen waren kleine Dörfer angesiedelt, mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem für Maisfelder, Baumwollplantagen, Obst und Weinanpflanzungen. Weiße Sandstrände muss man suchen, eher findet man kilometerlange riesige Hühnerställe am Strand, Pollo (Hühner) für die 8 Millionenstadt Lima.

 


Großeinkauf

Unsere Vorräte gingen zur Neige und wir nahmen die Gelegenheit wahr, auf einem Landestypischen Markt, mit den hier angebauten und erzeugten Lebensmitteln einzukaufen. An den Produkten und vor allem an den Preisen lässt es sich leicht erahnen, weshalb wir noch gerne in Peru geblieben währen.

 


Wir haben eingekauft, auf dem Markt in Huarmey (nördlich von Lima am Pazifik)

Unsere Einkaufsliste: (Zum schnellen Umrechnen: 1.- € = 4.- S)
1 Huhn 2,7 Kg, frisch geschlachtet f.Simba 14.- S
2 Kg Mango 6 Stck 4.- S
1 Blumenkohl 2.- S
1 Krautkopf 1.- S
1 Kg Tomaten 2.- S
4 Stck Rettich 2.- S
4 Stck Paprika rot 1.- S
2 Kg. Mandarinen 5.-S
12 Eier 3.- S
3 Stck Gurken 1.- S
2 Kg Zwiebel 3.- S
5 Stck Bananen 1.- S
1 Kg Bohnen 2.- S
1 Stck Papaya, groß 3.- S             
44.- Soles, das waren 11.- EURO

Besuch einer alten Adobestadt
In der Nähe von Trujillo liegt Chan-Chan, die einstige Hauptstadt des Chimú-Reiches. Sie war eine Stadt von etwa 70.000 Einwohnern im alten Peru.

Auf dem Weg dorthin erhoben sich aus dem Wüstensand meterhohe Wälle und Mauern, hinter denen sich ein löcheriges 18 Km² großes Labyrinth in Ockergelb mit wabenähnlichen Mauern befand. Die Tempel und Heiligtümern, Paläste, Plätze und Stadtteile waren noch zu erkennen. Auf einem kleinen Rundgang ließ sich die unglaubliche Größe des Reiches erahnen. Es war die größte Adobe-Metropole der Welt, erbaut aus ungebrannten Lehmziegeln.

 


In der ehemaligen Adobestadt Chan Chan

 

 


Man ist ja anpassungsfähig am rauen Pazifik....

Wir passierten die Provinzhauptstadt Piura und fuhren auf der am Meer entlang führenden westlichen Passage der Panamericana weiter in Richtung Ecuador.


Sundown am Pazifik: S: 16.15.611 / W: 73.31.674

An der Grenze durfte ich mal wieder korrupte Zöllner erleben. Allerdings sind sie das nur, wenn man mit ihnen alleine ist und so manche Taktik der "Obrigkeit" grenzt dann schon fast an eine Verzweiflungstat.

Im Grenzort blieb ich etwa 200m vor dem Schlagbaum rechts stehen. Wir stiegen aus und kauften vom Rest unseres peruanischen Geldes noch einige Früchte und Gemüse bei den Straßenhändlern ein. Man war mitten drin bei den Schmugglern, den schrägen Vögel, Schlepper und Grenzgänger.

Als wir an unser Fahrzeug zurückkamen, waren wir von einer Unzahl von LKWs eingeschlossen, alle wollten über die Grenze, aber erst morgen, und wir wollten noch heute. Ich nahm unsere Dokumente, ging ins Grenzoffice, ließ unsere Reisepässe ausstempeln und drückte einem netten Zöllner das Zolldokument von unserem Fahrzeug in die Hand. In wenigen Minuten war der Papierkram erledigt, wir können passieren hieß es.

Das ging aber nicht mit unserem Fahrzeug, wir waren eingekeilt, konnten an den zum Teil schräg gestellten LKWs nicht vorbei, Polizei musste her. Ein uniformierter, der sich gerade auf einer Bank am Zollhäuschen ausruhte, witterte sein Geschäft.

Die Truckfahrer zeigten guten Willen und wir standen mit Hilfe des "freundlichen" Beamten bald am Schlagbaum, aber keiner öffnete ihn. Nun kam ein zweiter Polizist hinzu und ich sollte ihnen folgen, da wusste ich was kommen wird. In einem kleinen leeren Raum hiss es ich müsste bezahlen, 50.- US Dollar, ich könnte auch in Bolivianischer Währung bezahlen! Como? (Wie bitte?) Für was? Warum? Weil meine Papiere nicht in Ordnung gewesen währen. Sie müssten nochmals meinen Pass, Führerschein und die Fahrzeugpapiere kontrollieren, ich sollte sie holen und 50.-Dollares nicht vergessen. Ich ging zum Fahrzeug und kam ohne Dollares und ohne unseren Papierkram zurück, stattdessen brachte ich ein "Geschenk" von zwei kleinen Büchlein in spanischer Sprache mit.

Es waren Bibeln, von denen wir einige von dem Missionsdienst Bolivien zum verschenken mitbekamen. Ich überreichte den "hilfsbereiten" Polizisten je ein blaues Büchlein "Nuevo Testamento" und schaute in ganz verdatterte Gesichter. Mit einem abwertenden Blick öffneten sie die Schranke und wir verabschiedeten uns von den zwei letzten und einzigen unangenehmen Peruaner denen wir begegneten.

 

Di. 13.11.07

Ecuador heißt uns Willkommen.

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